In der psychologischen Perspektive spielt die Fähigkeit, Trost zu spenden, eine entscheidende Rolle in der Beziehungsdynamik. Die Art und Weise, wie wir auf Konflikte oder Verletzungen reagieren, beeinflusst maßgeblich die emotionale Verbindung und das Wohlbefinden unseres Partners. Wenn wir uns bewusst sind, wie unsere Handlungen den anderen beeinflussen können, und die Fähigkeit besitzen, Trost zu spenden, können wir dazu beitragen, eine unterstützende und vertrauensvolle Beziehungsumgebung zu schaffen.
Die psychologische Forschung betont die Bedeutung von Empathie und emotionaler Intelligenz, um angemessen auf den Schmerz oder die Verletzung des Partners einzugehen. Durch die Bereitstellung von Trost zeigen wir nicht nur Mitgefühl, sondern tragen auch dazu bei, den Beziehungsraum zu heilen und zu stärken. Es geht darum, einen einfühlsamen Raum zu schaffen, in dem beide Partner sich verstanden und unterstützt fühlen können. Das mag jedoch erstmal einfacher klingen, als so mancher denkt. Denn es gibt verschiedene Möglichkeiten unpassend zu reagieren.
Als Therapeutin fällt es mir leicht, mich auf meine Klienten einzulassen und ihnen Trost, Beruhigung und Verständnis zu bieten. Diese Leichtigkeit ergibt sich daraus, dass ich nicht die Ursache ihres Schmerzes bin. Wenn sie über den Schmerz sprechen, der in der Regel durch andere Menschen oder Situationen in ihrem Leben verursacht wird, kann ich mühelos Mitgefühl und Sorge in ihnen wecken, ohne dass Abwehrmechanismen aktiv werden. Diese Fähigkeit beruht darauf, dass in mir kein komplizierter Sturm von Emotionen tobt.
Habe ich meinen Partner verletzt?
Wenn Sie diejenige sind, die den Schmerz verursacht hat und wenn der Schmerz in Ihrem Partner das Ergebnis Ihrer Handlungen ist, gestaltet sich der Prozess des Trostes und Mitgefühls viel komplizierter. Paare suchen oft therapeutische Hilfe, weil zwischen ihnen Verletzungen entstanden sind. Häufig konnten sie keinen Trost, keine Fürsorge und kein Mitgefühl von ihrem Partner erhalten, um die Verletzungen zu lindern. Oft gelangen sie zu dem Schluss, dass der Grund, warum ihr Partner nicht in der Lage ist, für sie da zu sein, entweder in mangelndem Interesse oder mangelnder Fähigkeit besteht.
Es gibt einen triftigen Grund, warum es schwierig sein kann, Trost zu spenden. Den geliebten Partner zu verletzen, löst schreckliche Gefühle aus. Es kann äußerst belastend sein, darüber nachzudenken, davon zu hören oder die Tränen, Wut und den Schmerz im Partner zu sehen und zu wissen, dass dies durch die eigenen Handlungen verursacht wurde.
Verletzungen in der Therapie ansprechen
Es ist nicht unüblich, dass Paare sich zusammen oft mit Vorfällen quälen, ohne dies mit böser Absicht zu tun. Nehmen wir das Beispiel, in dem ein Mann eine Frau einmal betrogen hat. Seine Frau ist so verletzt und wütend, dass ihr Mann jedes Mal, wenn sie ihren Schmerz ansprach, blockierte, den Raum verließ oder ihr sagte, sie solle „darüber hinwegkommen“.
In der Therapie wird dies nun angesprochen, sodass der Mann nun seine Reaktion erklären soll. Dabei könnte er erklären, dass seine Frau ihn jedes Mal dabei an das schlimmste, was er je getan hat, erinnert. Es kann unerträglich sein, darüber nachzudenken, da es alles aus seiner Position heraus aufwühlt und daran erinnert, wie sehr er seine Frau damit verletzt hat. Oft schmerzen Fehltritte beide Partner, auch wenn einer von beiden der direkt „Verletzte“ ist.
Es kann äußerst schwierig sein und erfordert mitunter die Unterstützung eines Therapeuten, Emotionen wie Scham, Schuldgefühle und Angst zu bewältigen, wenn man seinen Partner verletzt hat. Um für den Partner auf tröstliche und heilende Weise da zu sein, ist es notwendig, diese starken Emotionen in sich selbst zu verarbeiten.
Wege richtig Trost zu spenden
Nicht jeder Weg zu trösten wird der optimale für Sie und Ihren Partner sein. Bedürfnisse und Emotionen können sehr unterschiedlich sein, sodass es am meisten Sinn macht, nicht von sich selbst auf andere zu schließen. Daher wurden hier 6 Tipps zusammengefasst, wie man den Partner trösten kann.
1. Erkennen Sie, wie sehr Ihr Partner Sie benötigt.
Wenn Sie die Ursache für den Schmerz Ihres Partners sind, könnten Sie denken: „Ich habe den Schmerz verursacht, ich bin die letzte Person, die Sie trösten sollte.“ Oft ist genau das Gegenteil der Fall. Wenn Sie Ihrem Partner Schmerzen zugefügt haben, können Sie eine der hilfreichsten Personen sein, um diesen Schmerz zu lindern.
2. Suchen Sie Unterstützung.
Die Wiederherstellung einer Beziehung nach schweren Verletzungen kann eine schwierige und entmutigende Aufgabe sein. Ihre Bemühungen, die Dinge zu verbessern, können von Ihrem verletzten Ehepartner abgelehnt oder kritisiert werden. Möglicherweise benötigen Sie einen Therapeuten, um Ihnen bei der Bewältigung von Scham, Frustration, Hoffnungslosigkeit und Ablehnung zu helfen, damit Sie weiterhin tröstend für Ihren Partner da sein können. Falls Sie sich in Ihren Bemühungen, Verletzungen in Ihrer Beziehung zu reparieren, blockiert fühlen, könnte ein Paartherapeut hilfreich sein.
3. Seien Sie flexibel in Bezug auf die Bedürfnisse Ihres Partners.
An einem Tag möchte Ihr Partner vielleicht allein gelassen werden, am nächsten möchte er vielleicht in den Arm genommen werden. Bei Beziehungsverletzungen können sich diese Bedürfnisse stündlich oder täglich ändern. Es gibt oft keinen einzelnen, narrensicheren Ansatz, der funktioniert. Seien Sie bereit, Ihren Ansatz anzupassen, wenn sich die Bedürfnisse Ihres Partners ändern.
4. Verstehen Sie, wie Trost für Ihren Partner aussieht.
Es gibt viele Möglichkeiten, Ihrem Partner Trost zu spenden. Physische und emotionale Nähe von unserem Partner ist eine der kraftvollsten Arten, Trost zu erfahren. Physische Nähe kann durch Umarmungen, Händchenhalten oder Kuscheln erreicht werden. Emotionale Nähe kann Folgendes umfassen:
– Beruhigung: „Ich liebe dich“, „Ich bin für dich da“, „Ich gehe nirgendwo hin.“
– Validierung des Schmerzes: „Natürlich hat dich das tief verletzt.“
– Verständnis des Schmerzes: „Erzähle mir mehr darüber, was du durchmachst.“
– Hören des Schmerzes: „Du kannst mir sagen, wie du dich fühlst. Ich möchte es wissen.“
– Reue zeigen: „Es tut mir so leid, dass ich dich verletzt habe. Es tut mir so leid, dass du das durchmachst.“
Ein guter Ausgangspunkt ist: „Wenn es dir so wehtut, was hilft dir am meisten? Was brauchst du jetzt von mir?“
5. Zeigen Sie die Bereitschaft, alles zu tun, was nötig ist.
Es kann leicht sein zu denken, dass es nichts gibt, was Sie tun können, um die Dinge zu verbessern. Sie könnten denken: „Alles, was ich sage, verschlimmert die Dinge nur“ oder „Ich weiß nicht, was ich tun kann, um die Dinge zu verbessern.“ Es kann tröstlich für Ihren verletzten Partner sein zu hören: „Ich bin mir nicht sicher, wie ich helfen kann, aber ich weiß, dass ich helfen will.“ Lassen Sie sie wissen, dass Sie, obwohl Sie vielleicht nicht immer wissen, wie, die Dinge verbessern möchten und bereit sind, zu lernen, wie das geht.
6. Öffnen Sie sich.
Emotionen auszudrücken und Verletzlichkeit zu zeigen, ist möglicherweise nicht Ihre Stärke. Es kann jedoch tröstlich für Ihren verletzten Partner sein zu wissen, dass auch Sie leiden und dass er nicht allein in diesem Schmerz ist. Es kann sehr heilend für Ihren Partner sein zu hören und zu sehen, dass Sie schmerzen, weil ihr Partner schmerzt.
Welche Form von Trost man vermeiden sollte
Nicht alle Tröstenden verstehen die feine Kunst des Trostspendens. Es gibt verschiedene Arten von „Tröstern“, deren Ansätze eher kontraproduktiv sind und die Situation verschärfen können. Von den Invalidierern, die unbeabsichtigt Gefühle herabsetzen, über die Alleswisser, die sofort mit Ratschlägen kommen, bis hin zu den Ausweichern, die sich in Unbehagen winden und den Schmerz umgehen, reichen die unangemessenen Reaktionen.
Diese Kategorien von „Tröstern“ können nicht nur in Beziehungen auftreten, sondern auch dann, wenn man sich nach Konflikten an nicht direkt involvierte Freunde oder Familie wendet. Es ist entscheidend zu verstehen, wie unterschiedliche Ansätze des Trostspendens wirken können, um einfühlsamer und unterstützender in schweren Momenten zu agieren. Um sowohl das eigene Trost-Verhalten zu reflektieren und um als Trost-Empfänger negatives Verhalten einschätzen zu können wurden die 3 Kategorien hier etwas weiter erläutert:
Der Invalidierer
Die meisten Personen folgen dem Muster des „Invalidierers“ wenn es zu negativen Trostverhalten kommt. Diese Person macht vielleicht Kommentare wie „Oh, es ist nicht so schlimm“ oder „Na, wenigstens weißt du es jetzt.“
Oft sind sich diese Personen nicht bewusst, dass sie die Gefühle des Partners damit abwerten, weil sie aus guter Absicht heraus handeln und sprechen. Ihr Ziel ist es, „den Partner besser fühlen zu lassen“. Doch Trösten bedeutet nicht, die Gefühle der anderen Person zu ändern. Es geht darum, zuzuhören, anderen zu erlauben, zu fühlen, was immer sie fühlen, und einfach da zu sein.
Der Alles-Wisser
Die Alles-Wisser-Person gibt gerne auch ungefragt geradeheraus seine Meinung zum Thema und sagt einem zuerst, was man den in dieser oder jener Situation tun sollte. Alternativ versucht derjenige sich in die Situation zu versetzten, indem er sagt das er wisse, was Sie gerade durchmachen, weil der Cousin seiner Frau, zweiten Grades, jemanden kennt, der das gleiche erlebt wie Sie in diesem Moment..
Zu helfen, indem man Ressourcen zur Verfügung stellt (wenn man wirklich aus erster Hand Wissen über das Thema hat), ist wunderbar, unter einer Bedingung und nur einer Bedingung: wenn die Person danach fragt. Bei diesen Personen geht es oft mehr darum, sich selbst in die Situation zu involvieren und sich von seiner besten Seite zu zeigen, sodass derjenige das Gefühl von Unterstützung hat. Damit findet mehr selbst Beweihräucherung eigentlicher Trost statt.
Der Ausweicher
Ausweicher sind jene, die sich hastig bemühen, etwas zu äußern, von dem sie glauben, dass es hilfreich sein könnte, dabei jedoch stark verunsichert sind, da sie nicht wirklich wissen, was sie sagen sollen. Dies führt zu unbehaglichem Schweigen, wobei beide Seiten sich in der Konversation unsicher fühlen und nicht wissen, wie sie fortfahren sollen. Insbesondere bei Freunden und Familienmitgliedern, die nicht direkt in den Konflikt verwickelt sind, kann der Kontakt manchmal vermieden werden. Oft äußern sie eher banale Floskeln, bei denen weitere Kommentare schwerfallen, wie beispielsweise „die Zeit heilt alle Wunden“.
In Beziehungskonflikten kann dieses Ausweichen dazu führen, dass das eigentliche Problem totgeschwiegen wird, da die betreffende Person unsicher ist, wie sie helfen oder trösten kann. So wird vermieden, die Situation immer wieder aufzuwärmen, indem darüber gesprochen wird.
Fazit
Es ist also wichtig zu erkennen, dass das Trösten eine einfühlsame Kunst ist, die mit Bedacht und Achtsamkeit ausgeübt werden sollte. Während einige Menschen unbeabsichtigt Gefühle abwerten, oder überstürzt Ratschläge geben können, gibt es auch jene, die aufrichtig bemüht sind, Unterstützung zu bieten.
In Momenten des Schmerzes und der Verletzlichkeit ist es entscheidend, Raum für verschiedene Herangehensweisen zu schaffen. Das Verständnis für die Vielfalt der Tröstungsstile ermöglicht es uns, einfühlsam zu sein und zu lernen, wie wir angemessen auf die Bedürfnisse anderer eingehen können. In der Welt der Tröstung gibt es keine Einheitslösung, sondern die Bereitschaft, mit Sensibilität und Respekt auf die individuellen Emotionen und Bedürfnisse der Menschen einzugehen.
Die Audiovorlesung, welche Sie sonst hier befindet wird krankheitsbedingt nachgereicht

Sehr, sehr hilfreich! Dankeschön
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Vielen Dank für das positive Feedback.
Ich versuche in meinem „Infoblog – Psyche“ immer möglichst alltagsnahe Themen zu finden und aufzuzeigen, wie man an diesen arbeiten, lernen und wachsen kann.
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