Kurzübersicht: DHS bei Erwachsenen (F90.0)
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine neurobiologische Störung, die häufig mit Kindern assoziiert wird. Jedoch bleibt ADHS bei vielen Betroffenen auch im Erwachsenenalter bestehen. Diese Störung kann erhebliche Auswirkungen auf das Berufs- und Privatleben haben und ist oft von Symptomen wie Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität geprägt. Die Diagnose wird anhand bestimmter Merkmale gestellt und die Behandlung umfasst in der Regel Gesprächstherapie und Medikamente.
Menschen mit ADHS haben oft Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, neigen zu impulsivem Verhalten und erleben innere Unruhe. Diese Symptome können in verschiedenen Lebensbereichen zu Beeinträchtigungen führen, wie zum Beispiel im Beruf oder in zwischenmenschlichen Beziehungen.
Ätiologie – Mögliche Ursachen und Auslöser
Die genauen Ursachen von ADHS sind nicht vollständig geklärt, jedoch spielen genetische, neurobiologische und Umweltfaktoren eine Rolle.
1. Genetik: ADHS tritt häufig familiär gehäuft auf, was auf eine genetische Komponente hinweist. Bei direkten Verwandten von Personen mit ADHS ist das Risiko, die Störung ebenfalls zu entwickeln, erhöht.
2. Neurobiologie: Studien zeigen Unterschiede in der Gehirnstruktur und -funktion bei Menschen mit ADHS, insbesondere in Bereichen, die für Aufmerksamkeit und Impulssteuerung verantwortlich sind.
3. Umweltfaktoren: Frühkindliche Einflüsse, wie Frühgeburt oder niedriges Geburtsgewicht, sowie negative Erfahrungen in der Kindheit können das Risiko erhöhen, ADHS zu entwickeln.
Symptome und Anzeichen von ADHS
Erwachsene mit ADHS zeigen oft unterschiedliche Symptome im Vergleich zu Kindern. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
– Unaufmerksamkeit: Schwierigkeiten, Details zu beachten, häufige Flüchtigkeitsfehler, Schwierigkeiten, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren, leicht ablenkbar. Betroffene haben oft Schwierigkeiten, Aufgaben abzuschließen und wechseln häufig zwischen verschiedenen Aktivitäten, ohne eine zu beenden. Dies kann im beruflichen Umfeld zu erheblichen Problemen führen, da sie sich oft überwältigt fühlen und wichtige Fristen verpassen.
– Hyperaktivität: Innerliche Unruhe, Unfähigkeit, still zu sitzen, ständiges Gefühl von „auf dem Sprung“ zu sein. Bei Erwachsenen äußert sich Hyperaktivität häufig in Form von nervösen Bewegungen oder dem Bedürfnis, ständig beschäftigt zu sein. Es kann auch bedeuten, dass sie Schwierigkeiten haben, sich zu entspannen und ständig das Gefühl haben, produktiv sein zu müssen.
– Impulsivität: Ungeduld, Schwierigkeiten, auf die eigene Reihenfolge zu warten, häufiges Unterbrechen anderer, Impulskäufe. Impulsives Verhalten kann sich in finanziellen Schwierigkeiten niederschlagen, da Betroffene impulsiv Geld ausgeben oder riskante Entscheidungen treffen. Auch im sozialen Kontext kann Impulsivität zu Schwierigkeiten führen, da sie oft unüberlegt handeln oder sprechen und dadurch Beziehungen belasten.
Weitere Symptome und Herausforderungen, die bei Erwachsenen mit ADHS häufig auftreten, sind:
– Desorganisation: Schwierigkeiten, den Überblick über Aufgaben, Termine und Verpflichtungen zu behalten. Betroffene können unter chronischer Unpünktlichkeit leiden und haben oft das Gefühl, ihr Leben nicht unter Kontrolle zu haben.
–Vergesslichkeit: Regelmäßiges Vergessen von Terminen, Verpflichtungen oder alltäglichen Gegenständen wie Schlüsseln oder Handy. Dies führt oft zu Frustration und zusätzlichen Stresssituationen.
– Emotionale Instabilität: Häufige Stimmungsschwankungen, schnelle Reizbarkeit und Schwierigkeiten, Emotionen zu regulieren. Dies kann zu Problemen in zwischenmenschlichen Beziehungen führen, da Betroffene oft als launisch oder unzuverlässig wahrgenommen werden.
– Schwierigkeiten in Beziehungen: Durch die Kombination aus Unaufmerksamkeit, Impulsivität und emotionaler Instabilität haben viele Erwachsene mit ADHS Schwierigkeiten, stabile und gesunde Beziehungen zu führen. Konflikte, Missverständnisse und das Gefühl, nicht verstanden zu werden, sind häufige Herausforderungen.
– Niedriges Selbstwertgefühl: Viele Betroffene haben aufgrund ihrer Schwierigkeiten im Alltag ein geringes Selbstwertgefühl und leiden unter Selbstzweifeln. Dies kann durch wiederholte Misserfolge und negative Rückmeldungen aus ihrem Umfeld verstärkt werden.
Diese Symptome können zu Problemen wie unerledigten Aufgaben, verpassten Terminen, häufigem Jobwechsel und Beziehungsproblemen führen. Es ist wichtig zu beachten, dass die Intensität und das Ausmaß der Symptome von Person zu Person variieren können und nicht jeder Betroffene alle Symptome aufweist.
Diagnose: ADHS
Für die Diagnose von ADHS bei Erwachsenen werden bestimmte Kriterien verwendet, die im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5) festgelegt sind.
Um die Diagnose einer ADHS zu stellen, müssen die Patienten ein anhaltendes Muster von Unaufmerksamkeit und/oder Hyperaktivität-Impulsivität aufweisen, das zu Beeinträchtigungen in mehreren Lebensbereichen führt. Zudem müssen mindestens fünf der folgenden Merkmale vorhanden sein:
– Schwierigkeiten, Details zu beachten und häufige Flüchtigkeitsfehler.
– Probleme, Aufgaben und Aktivitäten zu organisieren.
– Leicht ablenkbar durch äußere Reize.
– Innerliche Unruhe und Schwierigkeiten, still zu sitzen.
– Impulsives Verhalten wie Ungeduld und häufiges Unterbrechen anderer.
Außerdem müssen die Symptome im frühen Erwachsenenalter begonnen haben, obwohl sie sich manchmal bereits in der Kindheit zeigen können.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Behandlung von ADHS bei Erwachsenen ist meist multimodal und umfasst sowohl medikamentöse als auch therapeutische Ansätze. Eine der wichtigsten Behandlungsmethoden ist die Psychotherapie, wobei die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) im Vordergrund steht. Diese Therapieform konzentriert sich darauf, emotionale Schwierigkeiten zu bewältigen und soziale Fähigkeiten zu verbessern. Sie kann dazu beitragen, selbstschädigendes Verhalten zu reduzieren und die allgemeine Funktionsfähigkeit zu steigern. Neben der KVT spielt auch die Psychoedukation eine wichtige Rolle. Durch die Aufklärung über ADHS und dessen Auswirkungen wird ein besseres Selbstverständnis entwickelt, was den Umgang mit der Störung erleichtert. Ergänzend dazu bietet Coaching Unterstützung bei der Bewältigung alltäglicher Herausforderungen und der Umsetzung praktischer Strategien.
In einigen Fällen kann die begleitende Anwendung von Medikamenten sinnvoll sein, um spezifische Symptome der ADHS zu behandeln. Häufig eingesetzte Medikamente sind Stimulanzien wie Methylphenidat und Amphetamine, die die Konzentration verbessern und die Impulsivität verringern. Für Betroffene, die Stimulanzien nicht vertragen, können Nicht-Stimulanzien wie Atomoxetin und bestimmte Antidepressiva ebenfalls wirksam sein.
Abschließende Worte
Der vorliegende Artikel bietet Ihnen umfassende Informationen über ADHS bei Erwachsenen, einschließlich ihrer Erklärung und Definitionen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass dieser Artikel keine medizinische Beratung oder Diagnose darstellt und es noch detailliertere Informationen zu diesem Thema gibt. Die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung und sollen Ihnen helfen, ein grundlegendes Verständnis für ADHS zu entwickeln.
ADHS ist eine komplexe psychische Erkrankung, bei der jeder Mensch unterschiedlich stark ausgeprägte Symptome und Erfahrungen haben kann. Es ist wichtig zu verstehen, dass Selbsthilfe allein möglicherweise nicht ausreicht, um ADHS angemessen zu behandeln. Es wird dringend empfohlen, bei Bedarf professionelle Hilfe zu suchen und einen qualifizierten Therapeuten oder Arzt zu konsultieren. Gerne stehe ich Ihnen bei Bedarf zur Seite.
Ein erfahrener Therapeut kann Ihnen dabei helfen, Ihre individuelle Situation zu bewerten, eine genaue Diagnose zu stellen und eine angemessene Behandlungsstrategie zu entwickeln. ADHS kann schwerwiegende Auswirkungen auf Ihr Leben haben, daher ist es wichtig, dass Sie frühzeitig die richtige Unterstützung erhalten.
