Antisoziale Persönlichkeitsstörungen verstehen – Eine Übersicht für Betroffene und Angehörige

Die Antisoziale Persönlichkeitsstörung ist geprägt von einer Missachtung der Rechte anderer und manifestiert sich in rechtswidrigen, betrügerischen sowie ausbeuterischen Handlungen zum persönlichen Vorteil oder Vergnügen, ohne Anzeichen von Reue. Zur Behandlung werden kognitive Verhaltenstherapie, Neuroleptika und Antidepressiva eingesetzt. Die Prävalenzraten in den USA variieren zwischen 0,2% und 3,3%, wobei Männer häufiger betroffen sind als Frauen. Mit dem Alter kann eine Abnahme der Prävalenz beobachtet werden, was darauf hindeutet, dass Betroffene lernen können, ihr Verhalten anzupassen. Komorbiditäten, wie Substanzgebrauchsstörungen und Impulskontrollstörungen, sind häufig bei Personen mit dieser Störung zu finden.

Ätiologie – Mögliche Ursachen und Auslöser

Die Entstehung einer antisozialen Persönlichkeitsstörung kann durch eine Kombination von genetischen Prädispositionen und Umweltfaktoren, wie beispielsweise Missbrauchserfahrungen in der Kindheit, beeinflusst werden. Ein möglicherweise beteiligter Mechanismus ist die impulsive Aggression, die mit einer abnormalen Funktion des Serotonin-Transporters in Verbindung gebracht wird. Zudem wird die Missachtung des Leidens anderer in der frühen Kindheit mit der Entwicklung unsozialen Verhaltens in der späten Adoleszenz assoziiert.

Es zeigt sich, dass die antisoziale Persönlichkeitsstörung häufiger bei Verwandten ersten Grades von Betroffenen auftritt als in der Allgemeinbevölkerung, was die Bedeutung genetischer Faktoren unterstreicht. Das Risiko für die Entwicklung dieser Störung ist nicht nur bei biologischen Kindern von Eltern mit der Erkrankung erhöht, sondern auch bei adoptierten Kindern, was die Rolle von Umwelteinflüssen hervorhebt.

Das Auftreten einer Verhaltensstörung zusammen mit einer Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung vor dem zehnten Lebensjahr kann das Risiko, im Erwachsenenalter eine antisoziale Persönlichkeitsstörung zu entwickeln, steigern. Darüber hinaus kann das Risiko durch inkonsistente Erziehungsstile der Eltern, wie etwa wechselnde Reaktionen von Unterstützung zu Kritik, sowie durch Missbrauch und Vernachlässigung in der Kindheit erhöht werden. Diese Erkenntnisse unterstreichen die Komplexität der Entstehungsbedingungen der antisozialen Persönlichkeitsstörung und die Notwendigkeit, sowohl genetische als auch umweltbedingte Risikofaktoren zu berücksichtigen.

Symptome und Anzeichen von antisozialer Persönlichkeitsstörung

Individuen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung zeichnen sich durch eine ausgeprägte Missachtung und Verletzung der Rechte anderer aus. Dies manifestiert sich in Verhaltensweisen wie der Zerstörung von Eigentum, Belästigung oder Diebstahl. Sie nutzen andere durch Täuschung und Manipulation aus, um eigene Ziele wie Geld, Macht oder sexuelle Befriedigung zu erreichen, und bedienen sich dabei gelegentlich auch Aliasnamen.

Charakteristisch für diese Störung ist eine ausgeprägte Impulsivität und Planlosigkeit, ohne die Konsequenzen des eigenen Handelns für sich selbst oder andere zu bedenken. Dies führt zu instabilen Lebensverhältnissen, einschließlich häufiger Wechsel von Arbeitsplätzen, Wohnorten und Beziehungen. Riskantes Verhalten wie rücksichtsloses Fahren oder der Konsum von Alkohol und illegalen Drogen sind ebenfalls häufig.

Soziale und finanzielle Verantwortungslosigkeit kennzeichnet das Verhalten dieser Personen. Sie wechseln unvermittelt die Arbeit, ignorieren verfügbare Beschäftigungsmöglichkeiten, begleichen ihre Rechnungen nicht und missachten finanzielle Verpflichtungen.

Weiterhin sind sie leicht zu provozieren, körperlich aggressiv, neigen zu gewalttätigen Auseinandersetzungen und missbrauchen ihre Partner. In sexuellen Beziehungen agieren sie unverantwortlich, nutzen ihre Partner aus und zeigen keine Fähigkeit zur Monogamie.

Ein Mangel an Reue ist evident. Individuen mit dieser Störung rationalisieren ihr schädigendes Verhalten oft durch Schuldzuweisungen an die Opfer oder durch eine resignierte Haltung gegenüber den Unwägbarkeiten des Lebens. Sie betonen ihre Weigerung, sich unterdrücken zu lassen, und folgen ausschließlich ihren eigenen Interessen, ungeachtet der Konsequenzen.

Empathie ist bei diesen Personen kaum vorhanden, sie zeigen sich oft gleichgültig oder verachtend gegenüber den Gefühlen, Rechten und dem Leiden anderer.

Trotz der negativen Aspekte ihres Verhaltens können Personen mit antisozialer Persönlichkeitsstörung selbstsicher, charismatisch und eloquent auftreten, was ihnen hilft, ihre Ziele durch verbale Geschicklichkeit zu erreichen.

Diagnose bei einer antisozialen Persönlichkeitsstörung

Die Diagnose einer antisozialen Persönlichkeitsstörung erfolgt gemäß den klinischen Kriterien des Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Fifth Edition (DSM-5), und setzt ein tiefgreifendes Muster der Missachtung und Verletzung der Rechte anderer voraus. Um die Diagnose zu stellen, muss eine Person mehrere spezifische Verhaltensweisen aufweisen.

Erstens, ein wiederholtes Engagement in Handlungen, die eine rechtliche Verfolgung rechtfertigen würden, was auf eine anhaltende Nichtbefolgung gesetzlicher Normen hinweist. Zweitens, betrügerisches Verhalten, das sich in Lügen, der Verwendung von Aliasnamen oder dem Betrügen anderer zum eigenen Vorteil manifestiert. Drittens, eine Neigung zu impulsiven Entscheidungen ohne vorausschauende Planung. Viertens, eine leichte Provokation zu Aggressivität, die zu physischen Auseinandersetzungen führen kann. Fünftens, eine rücksichtslose Missachtung der eigenen Sicherheit oder der Sicherheit anderer. Sechstens, ein durchgehend unverantwortliches Verhalten in beruflichen oder finanziellen Angelegenheiten. Siebtens, ein mangelndes Empfinden von Reue, erkennbar an der Gleichgültigkeit oder Rationalisierung gegenüber verursachtem Schaden oder Leid anderer.

Zusätzlich zu diesen Kriterien müssen Anzeichen einer Verhaltensstörung bereits vor dem 15. Lebensjahr vorhanden sein, wobei die offizielle Diagnose einer antisozialen Persönlichkeitsstörung erst bei Personen ab einem Alter von 18 Jahren gestellt wird. Diese diagnostischen Richtlinien unterstreichen die Komplexität der Störung und die Notwendigkeit einer sorgfältigen Bewertung des Verhaltens und der Vorgeschichte des Individuums.

Differenzialdiagnose

Die Differenzialdiagnose der antisozialen Persönlichkeitsstörung erfordert eine sorgfältige Abgrenzung von ähnlichen Störungen. Eine Substanzgebrauchsstörung kann ähnliche Symptome wie Impulsivität und Verantwortungslosigkeit aufweisen, wobei eine genaue Untersuchung der Vergangenheit des Patienten, einschließlich Perioden der Nüchternheit, für eine klare Diagnose notwendig ist. Verhaltensstörungen zeigen ähnliche Muster der Missachtung sozialer Normen, müssen jedoch vor dem 15. Lebensjahr auftreten. Die narzisstische Persönlichkeitsstörung weist ebenfalls ausbeuterisches Verhalten und einen Mangel an Empathie auf, ist jedoch weniger von Aggressivität und Betrug gekennzeichnet. Borderline-Persönlichkeitsstörungen umfassen Manipulation, die jedoch primär auf Fürsorge ausgerichtet ist, im Gegensatz zu den materiellen oder machtorientierten Zielen bei der antisozialen Persönlichkeitsstörung.

Behandlungsmöglichkeiten bei ASP

Bei der Behandlung von Patienten mit antisozialer Persönlichkeitsstörung kann sowohl die kognitive Verhaltenstherapie als auch der Einsatz bestimmter Medikamente in Betracht gezogen werden. Allerdings existiert kein eindeutiger Beweis dafür, dass eine spezifische Behandlungsform langfristige Verbesserungen bewirkt. Die therapeutischen Bemühungen konzentrieren sich häufig darauf, kurzfristige Ziele wie die Vermeidung rechtlicher Konsequenzen zu erreichen, anstatt eine tiefgreifende Veränderung im Patienten zu bewirken. Kontingenzmanagement, bei dem Belohnungen oder Sanktionen vom Verhalten des Patienten abhängig gemacht werden, wird als angemessene Strategie angesehen.

Insbesondere aggressive Patienten, die durch ausgeprägte Impulsivität und einen instabilen emotionalen Zustand gekennzeichnet sind, könnten von kognitiver Verhaltenstherapie oder einer medikamentösen Behandlung profitieren. Zu den in Betracht kommenden Medikamenten zählen Stimmungsstabilisatoren wie Lithium und Valproat sowie Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Der Einsatz atypischer Antipsychotika kann ebenfalls in Erwägung gezogen werden, obwohl die Evidenz für deren Wirksamkeit begrenzter ist. Diese therapeutischen Ansätze zielen darauf ab, die impulsiven und aggressiven Verhaltensweisen der Betroffenen zu mildern und somit zu einer Stabilisierung ihres emotionalen und sozialen Funktionierens beizutragen.

Abschließende Worte

Der vorgestellte Artikel vermittelt umfangreiche Informationen über die antisoziale Persönlichkeitsstörung, einschließlich ihrer Merkmale und Definitionen. Es ist allerdings wesentlich zu betonen, dass dieser Artikel keine medizinische Beratung oder Diagnose bietet und es möglicherweise umfassendere Informationen zu diesem Thema gibt. Die Informationen dienen lediglich der allgemeinen Bildung und sollen ein Basisverständnis für die antisoziale Persönlichkeitsstörung schaffen.

Die antisoziale Persönlichkeitsstörung ist eine komplexe Störung, die sich bei jedem Individuum unterschiedlich manifestieren kann. Es ist wichtig zu erkennen, dass Selbstmanagementstrategien allein oft nicht ausreichen, um die Störung effektiv zu behandeln. Die Inanspruchnahme professioneller Hilfe wird dringend empfohlen, falls Sie oder jemand, den Sie kennen, betroffen sein könnte. Unterstützung bei der Suche nach einem qualifizierten Fachmann kann entscheidend sein.

Ein erfahrener Therapeut oder Psychiater kann bei der Bewertung der spezifischen Situation helfen, eine fundierte Diagnose stellen und eine geeignete Behandlungsstrategie empfehlen. Die antisoziale Persönlichkeitsstörung kann signifikante Auswirkungen auf das Leben eines Menschen und sein Umfeld haben, weshalb es essenziell ist, adäquate Unterstützung zu erhalten.

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