Bipolare Störungen (BAS) treten in der Regel im Teenageralter oder im dritten bis vierten Lebensjahrzehnt auf. Die Lebenszeitprävalenz beträgt etwa 4%. Es gibt verschiedene Arten von bipolaren Störungen, darunter:
1. Bipolare Störung Typ 1: Gekennzeichnet durch mindestens eine vollständig ausgeprägte manische Episode, welche die normale soziale und berufliche Funktion beeinträchtigt und oft von depressiven Episoden begleitet wird. Das Auftreten ist in etwa gleich verteilt zwischen Männern und Frauen.
2. Bipolare Störung Typ 2: Gekennzeichnet durch Episoden einer starken Depression mit mindestens einer hypomanischen, aber nicht vollständig manischen Episode. Die Inzidenz ist bei Frauen etwas höher, als bei Männern.
3. Nicht näher bezeichnete bipolare Störung: Diese Kategorie umfasst Störungen mit eindeutig bipolaren Merkmalen, die jedoch nicht die spezifischen Kriterien für eine Zuordnung zu Typ 1 oder Typ 2 erfüllen.
Ätiologie – Mögliche Ursachen und Auslöser
Die genaue Ursache von bipolarer Störung ist nicht bekannt, jedoch spielt die Vererbung eine entscheidende Rolle. Es gibt auch Hinweise darauf, dass eine Störung in der Regulation der Neurotransmitter Serotonin, Noradrenalin und Dopamin beteiligt ist.
Psychosoziale Faktoren könnten ebenfalls eine Rolle spielen. Der Beginn der Symptome und ihre Verschlechterung stehen oft in Verbindung mit belastenden Lebensereignissen, obwohl eine genaue Ursache-Wirkungs-Beziehung bisher nicht eindeutig festgestellt wurde.
Bestimmte Substanzen, wie Sympathomimetika (wie Kokain und Amphetamine), Alkohol und bestimmte Antidepressiva (wie beispielsweise Trizyklika), können bei einigen Patienten mit bipolarer Störung Verschlechterungen auslösen.
Symptome und Anzeichen von Bipolare Persönlichkeitsstörungen
Eine bipolare Störung beginnt mit einer Phase, in der die Symptome akut auftreten. Danach gibt es wiederholte Zeiten ohne Beschwerden (Remission), gefolgt von Rückfällen. Auch wenn Remission oft vollständig ist, können einige Patienten weiterhin mit geringfügigen Beschwerden zu kämpfen haben, was ihre Arbeitsfähigkeit beeinträchtigen kann. Rückfälle sind eigenständige Episoden mit intensiveren manischen, depressiven, hypomanischen oder gemischt manisch-depressiven Merkmalen, welche gleich genauer erklärt werden.
Die Dauer dieser Episoden variiert zwischen einigen Wochen und 3–6 Monaten. Die Zyklen sind bei Patienten unterschiedlich lang. Einige haben selten Episoden, vielleicht nur wenige im Laufe ihres Lebens, während andere Formen von Rapid-Cycling (schnelle Wechsel) zeigen, was üblicherweise als ≥ 4 Episoden pro Jahr definiert ist. Nur eine Minderheit wechselt in jedem Zyklus zwischen Manie und Depression; bei den meisten überwiegt entweder das eine oder das andere.
Manie
Manie ist durch eine anhaltende Woche mit gehobener, expansiver oder reizbarer Stimmung sowie gesteigerter zielgerichteter Aktivität oder spürbarer Energiezunahme gekennzeichnet, begleitet von mindestens drei weiteren Symptomen. Dazu gehören überhöhtes Selbstwertgefühl, verringertes Schlafbedürfnis, gesteigertes Mitteilungsbedürfnis, Ideenflucht, Ablenkbarkeit und verstärkte zielgerichtete Aktivität. Patienten in einer manischen Episode können impulsiv und exzessiv in riskante Aktivitäten verwickelt sein, ohne die Konsequenzen zu erkennen, was zu erheblichen Beeinträchtigungen in ihrem täglichen Leben führen kann. In extremen Fällen kann dies zu einer manischen Psychose führen, die mit psychotischen Symptomen einhergeht, wie Größen- oder Verfolgungswahn oder möglichen Halluzinationen, was eine ernsthafte Bedrohung für sich selbst und andere darstellen kann.
Hypomanie
Hypomanie ist eine weniger intensive Form der Manie, die mindestens vier Tage dauert und Verhaltensänderungen mit sich bringt, die sich deutlich vom normalen, nicht depressiven Selbst des Patienten abheben. Während dieser Phase verbessert sich die Stimmung, das Schlafbedürfnis nimmt ab, die Energie steigt und die psychomotorische Aktivität erhöht sich. Einige Patienten empfinden die hypomanischen Phasen als positiv, da sie mit gesteigerter Tatkraft, Kreativität, Selbstvertrauen und besserer sozialer Funktionsfähigkeit einhergehen. Dennoch kann sich die Hypomanie bei einigen als Ablenkbarkeit, Reizbarkeit und labile Stimmung manifestieren, was für den Patienten und andere als weniger angenehm empfunden wird.
Depression
Eine depressive Episode weist typische Merkmale einer schweren Depression auf. Um als solche diagnostiziert zu werden, muss die Episode mindestens fünf der folgenden Symptome während eines zusammenhängenden Zeitraums von zwei Wochen aufweisen. Eines dieser Symptome muss depressive Stimmung oder Verlust von Interesse oder Freude sein, und mit Ausnahme von Selbstmordgedanken oder -versuchen müssen alle Symptome fast jeden Tag vorhanden sein:
– Depressive Stimmung fast den ganzen Tag
– Deutlich vermindertes Interesse oder Freude an allen oder fast allen Aktivitäten für die meiste Zeit des Tages
– Signifikante (> 5%) Gewichtszu- oder abnahme oder verminderter oder gesteigerter Appetit
– Insomnia oder Hypersomnie
– Von anderen beobachtete psychomotorische Unruhe oder Retardierung (nicht selbst berichtet)
– Müdigkeit oder Antriebslosigkeit
– Gefühle der Wertlosigkeit oder übermäßige oder unangemessene Schuldgefühle
– Verminderte Fähigkeit zu denken oder sich zu konzentrieren oder Unentschlossenheit
– Wiederkehrende Gedanken an Tod oder Selbstmord, Selbstmordversuch oder spezifischen Plan für Suizid
Gemischte Phasen
Eine Episode von Manie oder Hypomanie wird als gemischt betrachtet, wenn während der Episode an den meisten Tagen ≥ 3 depressive Symptome auftreten. Diese Art des Zustands ist oft schwierig zu diagnostizieren und kann in einen sich ständig verändernden Zustand übergehen. In solchen Fällen ist die Prognose schlechter im Vergleich zu einem rein manischen oder hypomanischen Zustand.
Es ist wichtig zu betonen, dass während gemischter Episoden das Risiko von Selbstmordversuchen besonders hoch ist.
Diagnose: Bipolare Störung
Die Diagnose der bipolaren Störung basiert auf der Identifizierung von manischen oder hypomanischen Symptomen, wie zuvor beschrieben, sowie einer Anamnese mit Remissionen und Rezidiven. Die bipolare Störung Typ 1 erfordert manische Symptome, die die soziale oder berufliche Funktionsfähigkeit erheblich beeinträchtigen oder einen Krankenhausaufenthalt erfordern, um Schaden für sich selbst oder andere zu verhindern.
Es ist möglich, dass Patienten, die sich mit depressiven Symptomen präsentieren, zuvor eine Hypomanie oder Manie erlebt haben, dies jedoch nur dann berichten, wenn sie direkt danach gefragt werden. Eine strukturierte Bestandsaufnahme wie der „Mood Disorder Questionnaire“ kann hierbei hilfreich sein. Suizidgedanken oder -pläne sollten bei allen Patienten behutsam, aber direkt erfragt werden.
Akute manische oder hypomanische Symptome können auch durch Stimulanzienmissbrauch oder körperliche Erkrankungen wie Hyperthyreose oder Phäochromozytom verursacht werden. Schilddrüsenfunktionstests sind bei neuen Patienten sinnvoll, um eine Hyperthyreose auszuschließen. Eine Überprüfung des Substanzgebrauchs und ein Drogen-Screening können substanzbedingte Ursachen aufdecken. Patienten mit bipolarer Störung können auch begleitende Angststörungen haben, was die Diagnose zusätzlich komplex machen kann.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapie der bipolaren Störung umfasst im Wesentlichen Stimmungsstabilisierer, sowie Antipsychotika der 2. Generation. Diese Medikamente werden in verschiedenen Phasen der Behandlung eingesetzt, abhängig von der Schwere der Symptome.
Die Wahl des Arzneimittels ist herausfordernd, da sie auf individuellen Erfahrungen und Verträglichkeit basieren sollte. Eine detaillierte Anamnese ist entscheidend, um frühere positive Reaktionen oder Nebenwirkungen zu berücksichtigen. Bei depressiven Episoden können spezifische Antidepressiva, wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, in Betracht gezogen werden.
Zusätzliche therapeutische Ansätze umfassen Elektrokrampftherapie (EKT) und transkranielle Magnetstimulation für resistente Depressionen, Phototherapie für saisonale Symptome, sowie Aufklärung und Psychotherapie im Allgemeinen. Letztere spielen eine entscheidende Rolle bei der Prävention schwerer Episoden und beinhalten oft Gruppen- und Einzeltherapie. Angehörige sind in den Therapieprozess oftmals einbezogen und Selbsthilfegruppen können unterstützend wirken.
Es ist wichtig, auf Schlaf, Substanzvermeidung und Frühwarnzeichen zu achten. Individuelle Psychotherapie kann den Umgang mit lebenspraktischen Problemen erleichtern. Eine verständliche Aufklärung über die Therapie und die Rolle der Medikamente ist für die Adhärenz entscheidend. Es ist anzumerken, dass eine moderate Beeinträchtigung der Kreativität durch Stimmungsstabilisierer selten ist. Die Patienten sollten auch auf mögliche Konsequenzen bestimmter Verhaltensweisen, wie finanzielle Exzesse oder riskante sexuelle Aktivitäten, aufmerksam gemacht werden.
Abschließende Worte
Der vorliegende Blogartikel bietet Ihnen ausführliche Informationen über bipolare Störungen, einschließlich ihrer Aufklärung und Definitionen. Es ist wichtig zu betonen, dass dieser Artikel keine medizinische Beratung oder Diagnose darstellt und es durchaus noch detailliertere Informationen zu der Materie gibt. Die bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung und sollen Ihnen dabei helfen, ein grundlegendes Verständnis für das Thema der bipolaren Störung zu entwickeln.
Bipolare Störungen sind komplexe psychische Erkrankungen, bei denen Menschen unterschiedliche Symptome und Erfahrungen machen können. Es ist entscheidend zu verstehen, dass Selbsthilfe allein möglicherweise nicht ausreicht, um bipolare Störungen angemessen zu behandeln. Es wird dringend empfohlen, bei Bedarf professionelle Hilfe zu suchen und einen qualifizierten Therapeuten oder Arzt zu konsultieren. Gerne helfe ich Ihnen hierbei.
Ein erfahrener Therapeut kann Ihnen bei der Bewertung Ihrer individuellen Situation helfen, eine genaue Diagnose stellen und eine angemessene Behandlungsstrategie entwickeln. Bipolare Störungen können schwerwiegende Auswirkungen auf Ihr Leben haben, und es ist wichtig, dass Sie die richtige Unterstützung erhalten.
