Kurzübersicht: Erregungsstörungen
Die Beeinträchtigung des sexuellen Verlangens oder der sexuellen Erregung wird durch das Fehlen oder die Verminderung des Interesses an sexuellen Aktivitäten, Vergnügen, Gedanken und Fantasien gekennzeichnet. Dies kann auch das Fehlen eines reaktiven Verlangens sowie mangelnde subjektive Erregung oder physische Reaktion auf sexuelle Stimulation beinhalten, sei es im genitalen Bereich oder anderweitig. Diese Störung kann sowohl Frauen, als auch Männer betreffen.
Personen, die von einer Beeinträchtigung des sexuellen Verlangens oder der sexuellen Erregung betroffen sind, zeigen geringes oder gar kein Interesse an sexuellen Aktivitäten und reagieren weder subjektiv noch körperlich auf sexuelle Stimulation. Der Verlust an Interesse und der Fähigkeit zur sexuellen Erregung übersteigt das, was aufgrund des Alters oder der Dauer einer Partnerschaft zu erwarten wäre. Diese Schwierigkeiten im sexuellen Interesse und der Fähigkeit zur Erregung werden als Störung betrachtet, wenn sie den Betroffenen belasten und während sämtlicher sexueller Erfahrungen anhalten.
Die verminderte sexuelle Erregung kann in drei Kategorien unterteilt werden: subjektiv, genital und kombiniert. Diese Kategorien basieren auf klinischen Aspekten und beziehen sich teilweise darauf, wie Frauen auf Reize im genitalen und nicht-genitalen Bereich reagieren:
1. Subjektiv: Frauen fühlen beispielsweise trotz einer physischen genitalen Reaktion, wie zum Beispiel einer gesteigerten Durchblutung im Genitalbereich, keine Erregung bei jeglichen sexuellen Reizen, sei es genitaler oder nicht-genitaler Natur (zum Beispiel Küssen, Tanzen, Betrachten erotischer Inhalte oder körperliche Berührung).
2. Genital: Die subjektive Erregung tritt als Reaktion auf nicht-genitale Reize auf, wie etwa bei der Betrachtung eines erotischen Videos, aber nicht in Reaktion auf Reize im Genitalbereich. Diese Art der Störung betrifft normalerweise Frauen nach den Wechseljahren. Die Fähigkeit zur vaginalen Befeuchtung und/oder die Empfindlichkeit im genitalen Bereich sind verringert.
3. Kombiniert: Frauen in dieser Kategorie berichten beispielsweise von einem geringen oder fehlenden subjektiven Erregungsgefühl bei jeglichen sexuellen Reizen und von einer gleichzeitig fehlenden physischen Genitalerregung. Das bedeutet, dass sie externe Gleitmittel verwenden müssen und eine Schwellung der Klitoris nicht mehr auftritt.
Ätiologie – Mögliche Ursachen und Auslöser
Häufige Gründe für Schwierigkeiten im sexuellen Verlangen oder Erregungszustand sind:
1. Psychische Faktoren: Dazu gehören Dinge wie Depressionen, Ängste, geringes Selbstwertgefühl, Stress, Ablenkung und Probleme in der Kommunikation zwischen Partnern. Auch andere Beziehungsprobleme können eine Rolle spielen.
2. Unangenehme sexuelle Erfahrungen: Wenn sexuelle Aktivitäten nicht gut laufen aufgrund von mangelnden Fähigkeiten oder schlechter Kommunikation über Bedürfnisse, kann das zu Schwierigkeiten führen.
3. Körperliche Faktoren: Hierzu gehören Erkrankungen wie das urogenitale Syndrom der Wechseljahre und Vulvadystrophie. Auch Veränderungen im Spiegel von Sexualhormonen, bestimmte Medikamente, Müdigkeit und körperliche Schwäche können beteiligt sein.
Die Verwendung bestimmter Medikamente wie selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs), einige Anti-Epileptika und Betablocker kann das sexuelle Interesse verringern. Das Trinken von zu viel Alkohol kann ebenfalls dazu führen. Bestimmte langanhaltende Krankheiten wie Diabetes oder Multiple Sklerose können Nerven im Genitalbereich schädigen und so zu vermindertem Empfinden führen.
Schwankungen und Veränderungen im Hormonspiegel, wie sie in den Wechseljahren, während der Schwangerschaft, nach der Geburt oder im Menstruationszyklus auftreten, können ebenfalls das sexuelle Verlangen beeinflussen. Zum Beispiel kann der Rückgang von Östrogen während der Wechseljahre zu Beschwerden im Genitalbereich führen, die wiederum das sexuelle Interesse mindern. Wenn der Testosteronspiegel im Körper abnimmt, kann das auch den Sexualtrieb reduzieren. Ein erhöhter Prolaktinspiegel kann ähnliche Probleme verursachen und auch das Östrogen senken.
Schlechte oder nicht ausreichende sexuelle Stimulation sowie eine ungünstige Einstellung zur sexuellen Aktivität können ebenfalls dazu beitragen, dass das sexuelle Interesse oder die Erregung abnehmen.
Diagnose: Sexuelle Erregungsstörung
Die Diagnose einer Störung des sexuellen Interesses oder der sexuellen Erregung basiert auf medizinischen Standards, die im DSM-5 festgelegt sind.
Die Kriterien erfordern, dass mindestens drei der folgenden Punkte fehlen oder signifikant abgenommen haben:
1. Interesse an sexuellen Aktivitäten
2. Sexuelle Fantasien oder Gedanken
3. Eigenständiges Beginnen von sexuellen Aktivitäten und positive Reaktion auf den Partner, der die Aktivität initiiert
4. Erleben von Erregung oder Lust in mindestens 75% der sexuellen Aktivitäten
5. Interesse oder Erregung als Antwort auf innere oder äußere erotische Reize, wie zum Beispiel erotische Texte, Gespräche oder visuelle Reize
6. Körperliche Empfindungen, sei es im Genitalbereich oder anderswo, während mindestens 75% der sexuellen Aktivitäten
Zudem müssen diese Symptome seit mindestens sechs Monaten bestehen und signifikante Belastung für den Betroffenen verursachen.
Die Diagnose wird nicht gestellt, wenn es eine körperliche oder andere psychische Ursache gibt, die für die Symptome verantwortlich sein könnte. Das schließt auch Probleme in Beziehungen mit ein.
Behandlungsmöglichkeiten
Je nach Bedarf kann in einem ärztlichen Gespräch festgelegt werden, was mögliche Behandlungswege für den Betroffenen sein können. Typischerweise gehören dazu:
– Aufklärung und psychologische Unterstützung
– Hormontherapie
– Testosteronergänzung
Die Behandlung von Störungen des sexuellen Interesses oder der sexuellen Erregung erfordert oft ein umfassendes Vorgehen. Ein Team von Fachleuten aus verschiedenen Bereichen kann helfen. Dazu gehören Sexualberater, Schmerzspezialisten, Psychotherapeuten und Physiotherapeuten.
Aufklärung und Therapie
Eine wichtige Rolle spielt die Aufklärung über die Anatomie und Funktionen des Körpers im sexuellen Kontext. Zum Beispiel kann es nützlich sein zu verstehen, dass nicht nur die Klitoris oder der Penis stimuliert werden sollte, sondern auch andere Bereiche des Körpers. Ebenso ist eine offene Kommunikation zwischen den Partnern essenziell.
Es gibt verschiedene Arten von sexuellen Reizen, die effektiv sein können, wie nicht-physische und nicht-genitale Stimulation. Es kann hilfreich sein, intensivere erotische Reize und Fantasien zu nutzen, Ablenkungen zu minimieren (zum Beispiel den Fernseher aus dem Schlafzimmer zu entfernen) und Privatsphäre und Sicherheit während sexueller Aktivitäten zu gewährleisten.
Wenn psychische Faktoren eine Rolle spielen, kann eine Psychotherapie, wie zum Beispiel die kognitive Verhaltenstherapie, in Erwägung gezogen werden. Manchmal reicht jedoch allein das Bewusstsein über die Bedeutung psychischer Faktoren aus, um Verhaltensmuster zu ändern. Andere Therapieansätze wie die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie können ebenfalls positive Auswirkungen auf Erregung, Orgasmus, Verlangen und Motivation haben.
Östrogentherapie
Die Behandlung mit Östrogen ist nicht dazu gedacht, Störungen der sexuellen Erregung oder des sexuellen Interesses direkt zu behandeln. Es kann jedoch bei Frauen während der Wechseljahre eingesetzt werden, um Wechseljahrs-Beschwerden zu lindern. Es kann die Stimmung verbessern und dazu beitragen, die Empfindlichkeit der Haut und der Genitalien sowie die vaginale Feuchtigkeit aufrechtzuerhalten. Auch Begleitsymptome wie Hitzewallungen können verringert werden. Diese Faktoren können wiederum das sexuelle Interesse und die Erregung positiv beeinflussen.
Normalerweise bevorzugt man transdermale Östrogenpräparate nach der Menopause. Es ist jedoch noch unklar, welches dieser Präparate in Bezug auf die sexuelle Gesundheit am besten ist, da dazu keine eindeutigen Studien vorliegen. Frauen, die noch einen Uterus haben, erhalten zusätzlich zu Östrogen Progesteron, da Östrogen ohne Gegenwirkung das Risiko für Gebärmutterschleimhautkrebs erhöhen kann.
Für postmenopausale Frauen kann es eine Option sein, Östrogen in vaginaler Form zu verwenden, wie zum Beispiel Cremes, Tabletten oder einen vaginalen Ring. Dies kann helfen, die Gesundheit der Vagina zu erhalten und Symptome des urogenitalen Syndroms der Menopause zu behandeln. Allerdings wirken diese Formen von Östrogen nicht auf Stimmungsschwankungen, Hitzewallungen oder Schlafprobleme.
Testosterontherapie
Eine Testosterontherapie bei Männern mit sexueller Erregungsstörung kann dazu beitragen, die sexuelle Gesundheit und Funktion zu verbessern. Testosteron ist das Hauptgeschlechtshormon bei Männern und spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung und Aufrechterhaltung der männlichen Fortpflanzungsorgane, der Knochenmasse, der Muskelmasse und des Haarwuchses. Es beeinflusst auch die Libido, das sexuelle Verlangen, und ist an der Regulation der Erektion beteiligt.
Eine Testosterontherapie kann dabei helfen, diese Probleme anzugehen. Durch die Erhöhung der Testosteronspiegel im Körper können mehrere Aspekte der sexuellen Funktion positiv beeinflusst werden.
Erstens kann eine erhöhte Testosteronmenge die sexuelle Lust oder das sexuelle Verlangen steigern. Männer könnten ein intensiveres Interesse an sexuellen Aktivitäten entwickeln.
Zweitens kann Testosteron die Fähigkeit zur Erektion verbessern. Es beeinflusst die Durchblutung der Genitalien und kann dadurch die Qualität der Erektionen positiv beeinflussen. Dies kann zu einer besseren Fähigkeit führen, eine Erektion aufrechtzuerhalten, was wiederum die sexuelle Erregung unterstützen kann.
Drittens kann eine höhere Testosteronkonzentration die allgemeine Energie und das Wohlbefinden beeinflussen, was sich positiv auf die psychische Einstellung und das sexuelle Selbstbewusstsein auswirken kann. Männer könnten sich insgesamt vitaler und positiver fühlen, was wiederum zu einer gesteigerten sexuellen Erregung beitragen kann.
Die Testosterontherapie selbst sollte unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, da eine übermäßige Zufuhr von Testosteron Risiken mit sich bringen kann, wie z.B. unerwünschte Nebenwirkungen oder einen Anstieg der Blutwerte auf gefährliche Ebenen. In geeigneten Fällen kann eine Testosterontherapie jedoch eine wirksame Option sein, um sexuelle Erregungsstörungen bei Männern zu behandeln und die Lebensqualität zu verbessern.
In einigen Fällen kann die vorübergehende Anwendung von Testosteron durch die Haut bei Frauen nach den Wechseljahren mit sexuellen Interesse- oder Erregungsproblemen wirksam sein. Eine solche Behandlung hat gezeigt, dass sie die sexuelle Funktion verbessern kann, sowohl das sexuelle Verlangen als auch die Erregung und das Orgasmusverhalten.
Jedoch gibt es noch begrenzte Informationen über die langfristige Sicherheit und Effektivität dieser Testosterontherapie. Falls diese Behandlung in Betracht gezogen wird, sollte der Patient sorgfältig über die gemischten Ergebnisse der bisherigen Studien informiert werden. Auch die begrenzten langfristigen Sicherheitsdaten müssen beachtet werden.
Andere Optionen umfassen intravaginal angewendetes Prasteron, ein Serotonin-Rezeptor-Agonist/Antagonist namens Flibanserin für prämenopausale Frauen sowie bestimmte Medikamente wie Bupropion für Männer mit niedrigem Testosteronspiegel. Vibratoren und andere Geräte könnten in einigen Fällen ebenfalls ausprobiert werden, obwohl die Beweislage hier begrenzt ist.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass eine ganzheitliche Herangehensweise, die sowohl psychologische Aspekte als auch mögliche hormonelle Ursachen berücksichtigt, am besten geeignet ist, um Störungen des sexuellen Interesses oder der sexuellen Erregung zu behandeln.
Abschließende Worte
Der vorliegende Blogartikel bietet Ihnen eine umfassende Darstellung über sexuelle Funktionsstörungen sowohl bei Männern als auch bei Frauen, einschließlich ausführlicher Aufklärung und Definitionen. Es ist jedoch von besonderer Bedeutung zu verstehen, dass dieser Artikel keine medizinische Beratung oder Diagnose ersetzt und weiterführende Informationen zur Thematik vorhanden sind. Die präsentierten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung und sollen Ihnen dabei helfen, ein grundlegendes Verständnis für dieses Thema zu entwickeln.
Sexuelle Funktionsstörungen können eine vielschichtige Problematik darstellen, und individuelle Erfahrungen können stark variieren. Es ist von entscheidender Wichtigkeit zu erkennen, dass eigenständige Bemühungen zur Selbsthilfe eventuell nicht ausreichend sind, um eine angemessene Bewältigung der sexuellen Erregungsstörung zu erreichen. Es wird empfohlen, im Bedarfsfall professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen und einen qualifizierten Therapeuten oder Facharzt zu konsultieren. In diesem Prozess stehe ich Ihnen gerne zur Seite.
Ein erfahrener Therapeut vermag Ihnen dabei zu helfen, Ihre individuelle Situation zu evaluieren, eine präzise Diagnose zu stellen und eine passende Behandlungsstrategie zu entwerfen. Sexuelle Erregungsstörungen können signifikante Auswirkungen auf Ihre Lebensqualität haben. Es ist essenziell zu betonen, dass sowohl Männer als auch Frauen davon betroffen sein können und es von großer Bedeutung ist, die angemessene Unterstützung zu erhalten, um sich selbst und möglicherweise auch Ihre Beziehung positiv zu unterstützen.
